Urnerin und Urner des Jahres

Laudatio: Urnerin und Urner des Jahres 2015
von
Heidi Z’graggen, Frau Landammann Uri

Liebe Urnerin, lieber Urner des Jahres 2014
Liebe Cornelia Herger, lieber Hans Herger
Liebe Gäste

Sie mussten vor gut drei Jahren zusehen, wie ihr Betrieb – ein Neubau, verbunden mit Hoffnungen, Freude und Stolz – niederbrannte – sie hatten nichts mehr, keine Holzlatten, keinen Nagel, ausser das was auf den bestehenen Baustellen noch vorhanden war – und ihre 18 Mitarbeiter und die Anteilnahme, der Zuspruch und Rückmeldungen, die ihnen Zuversicht gaben.
Vor allem aber hatten Sie ihren Mut: „Wir sind fest entschlossen weiterzumachen – und zwar in Spiringen“, sagte Hans Herger.
„Es nützt nichts den Kopf in den Sand zu stecken“, sagte Cornelia Herger.
Cornelia und Hans Herger wollten nach vorne blicken – „Jetzt konzentrieren wir uns voll und ganz auf die Zukunft“ – und dann gaben sie auch noch das Versprechen ab: Alle Mitarbeitende sollen für die Klimaholzbau AG arbeiten können.

Diese Aussagen weisen auf zwei aussergewöhnliche Unternehmerpersönlichkeiten, auch auf zwei typische Urner hin – ein Lebenswerk, gerade erst gebaut, zerstört, verbrannt – man wäre doch in diesem Augenblick geneigt, mit hängenden Schultern, Tränen in den Augen, Wut auch, davor zu stehen, daran zu denken aufzugeben. Vielleicht waren diese Gefühle auch da, aber die Unternehmer sagten, wir sind fest entschlossen, weiterzumachen – und die Urner in ihnen sagten fast trotzig, „Nit derglichä tüe“.

Alle Mitarbeitende sollen auch in Zukunft für die Klimaholzbau arbeiten können. In diesem für das Ehepaar Herger schweren Augenblick lebten die beiden Unternehmer auch die Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitenden – wie können nämlich diese Hoffnung schöpfen, wenn die Chefin und der Chef verzweifeln. Für Cornelia und Hans Herger stand fest, die Zukunft ist das, was wir daraus machen wollen.

Schon wenige Wochen nach dem Brand begannen sie mit dem Aufräumen in Spiringen – wahrscheinlich war dieser Prozess auch nicht nur einfach, auch schmerzlich, denn auch da waren doch mit jedem Stück, das weg geräumt wurde, auch Hoffnungen, grosses finanzielles Engagement verbunden. Mit dem Leitsatz nicht zurückblicken, vorwärtsblicken, mögen im Aufräumen schon die ersten Ideen für das neue Werk in Spiringen in den Köpfen zu reifen beginnen. Gleichzeitig wurde das Werk vorübergehend in Schattdorf weitergeführt – denn zum Glück waren die Pläne und weitere Daten vom Brand verschont geblieben.

Die Arbeitslast war zu diesem Zeitpunkt sicherlich gross, doppelt gross. Einerseits galt es den Betrieb weiterzuführen, andererseits aufzuräumen, die Pläne für die Zukunft zu entwickeln und den Wiederaufbau in Spiringen zu verwirklichen. Es geht, wenn auch die grosse Arbeitslast drückt, denn Hans und Cornelia Herger wollen Unternehmer bleiben, sie sagen: „Sie denken gar nicht daran, etwas anderes zu tun“ – nit dergliche tüe. Wer mag Halt und Kraft gegeben haben – sicher Sie einander selber, aber auch die Unterstützung der Einheimischen, der Mitarbeitenden. Das ist gut für Uri, gut für Spiringen, gut für uns als Vorbild.

Im Frühjahr 2013 zur Zeit des Aufbruchs der Natur – die Sonne scheint wieder und wieder länger– auch in Spiringen – machen Cornelia und Hans Herger den Neuanfang: Die Baubewilligungen werden erteilt. Das muss ein guter Tag gewesen sein. Im neuen Werk ist alles unter einem Dach vereint – mit der Optimierung der Abläufe, braucht es weniger Fläche – Platz für Zusätzliches, für Wachstum ist möglich – auch diese Tatsache weist auf den Zukunftsglauben und das unternehmerische Denken der beiden Hergers. Die Herger Klimaholzbau AG wird wachsen können und das wünschen wir ihr alle. Und wieder ein Jahr später, Anfang August 2014 endlich kann Hans Herger sagen: Es ist ein tolles Gefühl, wieder in Spiringen produzieren zu können und Cornelia Herger, nun ist alles wieder da, wo es hin gehört, nämlich in Spiringen.

Jetzt konzentrieren wir uns voll und ganz auf die Zukunft, meinten die diesjährige Urnerin und der Urner des Jahres im Jahre 2012. Und heute ist sie da – diese Zukunft – 2012 war dieser heutige Termin noch nicht vorgesehen, der Termin nämlich, wo das Unternehmerehepaar aus Spiringen zu Urnerin und Urner des Jahres gewählt und für Ihr Engagement geehrt werden – aber dieser Tag war in ihrer Einstellung, in ihrem Mut, Unternehmergeist und Ihrem Durchhaltewillen bereits vorbereitet.

Ihr Unternehmergeist, Ihr Durchhaltewillen, Ihr Arbeiten mit der einheimischen Ressource Holz, Ihr Glauben an unsere einheimischen Mitarbeitenden, Ihr Festhalten an einem Standort in einem unseren schönen Seitentäler, Ihr finanzielles Engagement, Ihr „wir sind fest entschlossen weiterzumachen“, ja auch Ihr nit dergliche tüe – kann uns Vorbild sein – Sie Frau und Herr Herger bieten Zukunft und Zukunftsglauben für unsere Bergregion. Genau diese Haltung kann uns alle in Uri in eine gute Zukunft führen. Es freut mich auch, dass der Zuspruch, die Anteilnahme und Unterstützung vieler Urnerinnen und Urner, Ihrer Familie, Freunden und Mitarbeitenden sie mitgetragen hat und das ist sicherlich auch eine unserer Ressourcen, dieses einander beistehen.

Ich gratuliere Ihnen – Cornelia und Hans Herger – ganz herzlich zur verdienten Auszeichnung der Urnerin und des Urner des Jahres – und verbinde das mit den besten Wünschen für die Zukunft für Sie, Ihr Unternehmen, Ihre Mitarbeitende, Spiringen, unsere Bergregion und den ganzen Kanton Uri.

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