Rede Landeswallfahrt Tellskapelle (Tellenfahrt) vom 8. Mai 2015

Hochwürdige Geistlichkeit

Liebe Tellenfahrerinnen und Tellenfahrer

 

Die erste Kapelle soll hier bereits 1388 erbaut worden sein und stand möglicherweise im Zusammenhang mit der Schlacht am Sempach von 1386. Wahrscheinlich gedachte man seither hier den Anfängen der Eidgenossenschaft.

Die erste zeitgenössische Nachricht zur Kapelle stammt aus der Schweizer Chronik von Heinrich Brennwald in der Zeit zwischen 1508 und 1516.

Seit 1561 wird an der Tellsplatte ein ewiges Jahrzeit mit drei gesungenen Ämtern gehalten. Das erste zu Ehren der Dreifaltigkeit, das zweite zu Ehren Marias und das dritte „als Seelen Ambt zum Trost und Gedächtnis Willhelm Tellen, Stauffachers von Schweytz und Aerni aus dem Melch Thal von Unterwalden als ersten Anfängern der Eidgenossenschaft sowie aller, welche um des Vaterlands Willen gestorben sind, sowie aller Altgläubigen wegen ihres Glaubens umgekommenen Katholiken“.

Spätestens seit 454 Jahren also ist die Tellskapelle die kirchliche Gedenkstätte für die Ursprünge der Eidgenossenschaft. Von Anfang an nahmen die Spitzen der Gesellschaft und die Behörden an der Tellenfahrt teil. Damit hatte die Tellenfahrt schon früh offiziösen Charakter. Es ist aber unklar seit wann die Kosten vom Land Uri übernommen worden sind. Bereits 1582 aber findet sich im Jahrzeitbuch von Altdorf einen Beitrag an die Tellenfahrt. Sicher wurden die Kosten spätestens seit 1645 vom Land Uri übernommen. Die alljährliche Tellenfahrt am Freitag nach Auffahrt genoss schnell grossen Zustrom und Popularität (aus Helmi Gasser, DIE KUNSTDENKMÄLER DES KANTONS URI, Band II. Die Seegemeinden).

Wir stehen also heute hier in einer Reihe von vielen Menschen, die sich alljährlich seit Jahrhunderten zum Gebet getroffen haben und treffen. Wir stehen als Glied in der Kette unserer Vorfahren. So viele Gebete sind in all diesen Jahren über den wunderbaren Urnersee geklungen. Das ist mehr als eine Tradition – es ist ein Band, das unsere Gemeinschaft bindet in der gemeinsamen Bitte für unser Land und unsere Freiheit. Auch heute noch sterben Menschen um der Freiheit willen  und ganz besonders bedrückend ist es, dass viele Christen in der Welt um ihrer Religion willen verfolgt und getötet werden – auch ihnen soll heute unser Gebet gelten.

Ich danke Ihnen, dass Sie alle heute da sind – nicht nur um der Tradition Willen, sondern um des Gebets Willen, sondern um des Bands Willen für unser Land, für die Gefallenen, die für unsere Freiheit gestorben sind.

So halten wir heute die Schlachtenjahrzeit für die in Kriegen und Schlachten für Religion und Vaterland Umgekommenen.

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