Urner Landeswallfahrt, 24. Oktober 2015

Ehrwürdige Geistlichkeit

Liebe Pilgerinnen und Pilger des Volkes Uri

Wiederum sind wir gemeinsam auf Landeswallfahrt. Ich freue mich immer auf diesen Tag, weil es gut tut aus dem Alltag auszubrechen. Und wenn es auch nur für ein paar Stunden ist – ausbrechen aus dem Alltag und Hektik, aus Aufgeregtheit, Sorgen und Nöten, um ruhig zu werden und das Gedankenkarussell schweigen zu lassen.

Wir strömen heute zum heiligen Bruder Klaus. Wie seit Jahrhunderten Menschen zu ihm strömen. Zu Lebzeiten schon genoss er, der grosse Heilige, höchste Verehrung. Er war weiser Ratgeber der Eidgenossenschaft. Er schlichtete den Streit der eidgenössischen Stände und rettete sie vor dauernder Spaltung. Vor allem die Nachwelt erkannte diese grosse Tat für unser Land. Er ist der Heilige aller Schweizerinnen und Schweizer. Oder besser ausgedrückt: „Der Bruder Klaus ist viel zu gross, um nur Obwaldner zu sein. Er ist zu gross sogar für einen Eidgenossen. Er gehört der ganzen Welt.“ „Heinrich Federer (1866-1928, Schriftsteller).

Ich hätte viele Fragen, wir alle hätten viele Fragen, die wir ihm gerne direkt stellen würden. Im meine, leider fragen und bitten wir viel zu wenig. Vielleicht sind die richtigen Fragen nämlich schon ein Teil der Antwort. Warum denken wir nicht mehr über die richtigen Fragen nach, die wir dem Heiligen stellen sollten, ja müssten. Aber  hätte er überhaupt Zeit für uns, sind wir angesichts seiner Grösse nicht zu klein, um zu fragen und auf Antwort zu hoffen. Doch wen fragen, wenn nicht ihn? Vielleicht hat aber der heilige Bruder Klaus die Antwort auch schon gegeben. Zumindest für die in der Politik.

Sein grosser Rat: Aufeinander horchen und einander gehorchen. Aufeinander horchen: Zuhören, die Anliegen und Sorgen des Gegenübers aufnehmen. Einander gehorchen – auf den Gegner einen Schritt zugehen, mit ihm ins Gespräch kommen. Und eine Lösung für beide Seiten suchen.

Weit vor der Etablierung des Erfolgsmodells Schweiz mit Kompromiss und Konkordanzsystem Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts, gab er uns diesen wichtigen Rat mit für Politik und Zusammenleben, für die Eidgenossenschaft.

So wage ich es heute, den heiligen Bruder Klaus zu bitten – gib, dass wir im Kanton Uri, in der Schweiz, auf der ganzen Welt aufeinander horchen und einander gehorchen für die Zukunft des Urner Volkes, des Kantons und unseres Landes. Gib, dass wir aufeinander horchen, einander gehorchen für Frieden und Gerechtigkeit, für Freiheit und Wohlergehen aller Menschen auf der ganzen Welt.

Ich wünsche Ihnen allen eine wunderbar Wallfahrt, Glück, Gottes Segen und nur das Beste.

 

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