Zusammenhänge zwischen Biodiversität und kulturellem Erbe

Sattes Grün der mächtigen Hänge am Fusse der eindrücklichen Berge, wunderbare Alpenblumen, leise wagen sie sich erst hervor, Sirren der Insekten, Summen der Bienen, leichtes, fröhliches Bimmeln von Kuhglocken von der anderen Talseite. In der Ferne die Waldlichtung hinten im Tal mit dem alten Hotel, das seit über hundert Jahren dasteht und sich sonnt in den ersten warmen Tagen des Jahres. Alphütten, kleine Siedlungen reingeschmiegt in die spärlich vorhandenen sicheren Orte vor Lawinen und Steinschlag. Trockenmauern oder Lesesteinhaufen entstanden aus Geröll, das herunterkommt, immer wieder, von den Bergen. Holzzäune die dem Bergweg den charmanten Rahmen geben. Es ist Bergfrühling. Allein der Gedanke an die Schönheit der Natur zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht. Das vielleicht eher brummige und knappe «Guten Tag» des Bauern, der am «Hagen» und am «Schönen» ist, seiner Arbeit nachgeht, wie vor ihm schon viele Generationen, reisst uns aus den Gedanken und erinnert uns daran: Nicht die Natur allein hat diese (Kultur-) Landschaft geschaffen. Das jahrhundertelange Wirken des Menschen hat sie mitgeformt. Menschen haben sich Gedanken gemacht, weshalb sie sich an bestimmten Orten niederliessen. Es entstanden durch ihr Wirken Kulturlandschaften von unverwechselbarer Schönheit und hohem Wert für die Artenvielfalt, «die sogar deutlich über der Biodiversität der vom Menschen nicht veränderten Naturlandschaften liegt (Werner Bätzig: Die Alpen, 2. Auflage 2005). Ja, klar, es besteht ein Zusammenhang von Biodiversität und kulturellem Erbe. Diesen Zusammenhang herzustellen und zu gewichten ist eine der Aufgaben der Eidgenössischen Natur-und Heimatschutzkommission in der Beurteilung von Bauvorhaben besonders in BLN-Objekten (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung). Dabei bestehen je nach Fragestellung Synergien zwischen den beiden Themen, oder in anderen Fällen können die Schutzinteressen von Biodiversität und kulturellem Erbe in Konflikt zu einander stehen. Dann ist es die Aufgabe der Kommission, eine fachlich abgestützte Gewichtung vorzunehmen, die beiden Interessen so gut als möglich gerecht wird. Das Kulturerbejahr 2018 kann uns auch die Augen für die Zusammenhänge zwischen Artenvielfalt und Kulturerbe öffnen. Ich lade Sie herzlich ein, bei einem Spaziergang im hoffentlich baldigen Bergfrühling diesen Zusammenhängen nachzuspüren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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