Neuer Flachwasserteich für seltene Tier- und Pflanzenarten

Das am Südufer des Urnersees gelegene Naturschutz- und Erholungsgebiet Reussdelta verfügt über eine neue Naturattraktion in Form eines vielfältigen Lebensraumes für Limikolen, Amphibien und Reptilien. Jetzt, wo die Arbeiten abgeschlossen sind, übernimmt die Natur die weitere Gestaltung des Schutzgebiets. Der Mensch tritt in die Rolle des Beobachters.

 

Der neue Flachwasserteich wurde von der Arnold & Co. AG auf ihrem Land im Seedorfer Ried erstellt. Der Flachwasserteich bildet mit verschiedenen Kleinstrukturen, Asthaufen und Kiesbänken einen neuen landschaftlich reizvollen Lebensraum für teils seltene Pflanzen und Tiere. Besonnte und geschützte Kiesflächen dienen den Reptilien als ungestörte «Sonnenplätze». Auch erdnistende Wildbienen finden ideale Lebensbedingungen vor. Der aufgewertete Wijergraben bietet dem Hecht als Zielart Laichgründe. Der Flachwasserteich ist so gestaltet, dass die scheuen Limikolen – auch Watvögel genannt – nicht durch das Publikum auf den Wanderwegen gestört werden und gegen Norden, Süden und Westen hin trotzdem eine weite, hindernisfreie Naturfläche als Anflugs- und Fluchtkorridor offenbleibt. Eine besondere Attraktion bildet eine geschützte Beobachtungsplattform, von der aus die Besucherinnen und Besucher des Reussdeltas das ganze Gebiet diskret einsehen können.

 

Mit dem Gesetz über das Reussdelta hat der Kanton Uri im Jahr 1985 die Grundlage für die Entwicklung eines naturnahen Deltas an der Reussmündung geschaffen. Im Jahr 2010 hat der Kanton mit der Firma Arnold & Co. AG für den Kies- und Sandabbau im Bereich der Reussmündung des Urnersees einen neuen Konzessionsvertrag abgeschlossen. Er hat die Konzessionsverlängerung im Rahmen einer Umweltverträglichkeitsprüfung mit verschiedenen Ersatz- und Ausgleichsmassnahmen verbunden. So erhielt die Arnold & Co. AG vom Kanton die Auflage, im Seedorfer Ried einen Flachwasserteich für Limikolen, Amphibien und Reptilien zu schaffen. Die Entwicklung des Naturschutz- und Erholungsgebietes im Urner Reussdelta steht unter der Aufsicht und Verwaltung der Reussdeltakommission.

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Zusammenhänge zwischen Biodiversität und kulturellem Erbe

Sattes Grün der mächtigen Hänge am Fusse der eindrücklichen Berge, wunderbare Alpenblumen, leise wagen sie sich erst hervor, Sirren der Insekten, Summen der Bienen, leichtes, fröhliches Bimmeln von Kuhglocken von der anderen Talseite. In der Ferne die Waldlichtung hinten im Tal mit dem alten Hotel, das seit über hundert Jahren dasteht und sich sonnt in den ersten warmen Tagen des Jahres. Alphütten, kleine Siedlungen reingeschmiegt in die spärlich vorhandenen sicheren Orte vor Lawinen und Steinschlag. Trockenmauern oder Lesesteinhaufen entstanden aus Geröll, das herunterkommt, immer wieder, von den Bergen. Holzzäune die dem Bergweg den charmanten Rahmen geben. Es ist Bergfrühling. Allein der Gedanke an die Schönheit der Natur zaubert uns ein Lächeln ins Gesicht. Das vielleicht eher brummige und knappe «Guten Tag» des Bauern, der am «Hagen» und am «Schönen» ist, seiner Arbeit nachgeht, wie vor ihm schon viele Generationen, reisst uns aus den Gedanken und erinnert uns daran: Nicht die Natur allein hat diese (Kultur-) Landschaft geschaffen. Das jahrhundertelange Wirken des Menschen hat sie mitgeformt. Menschen haben sich Gedanken gemacht, weshalb sie sich an bestimmten Orten niederliessen. Es entstanden durch ihr Wirken Kulturlandschaften von unverwechselbarer Schönheit und hohem Wert für die Artenvielfalt, «die sogar deutlich über der Biodiversität der vom Menschen nicht veränderten Naturlandschaften liegt (Werner Bätzig: Die Alpen, 2. Auflage 2005). Ja, klar, es besteht ein Zusammenhang von Biodiversität und kulturellem Erbe. Diesen Zusammenhang herzustellen und zu gewichten ist eine der Aufgaben der Eidgenössischen Natur-und Heimatschutzkommission in der Beurteilung von Bauvorhaben besonders in BLN-Objekten (Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung). Dabei bestehen je nach Fragestellung Synergien zwischen den beiden Themen, oder in anderen Fällen können die Schutzinteressen von Biodiversität und kulturellem Erbe in Konflikt zu einander stehen. Dann ist es die Aufgabe der Kommission, eine fachlich abgestützte Gewichtung vorzunehmen, die beiden Interessen so gut als möglich gerecht wird. Das Kulturerbejahr 2018 kann uns auch die Augen für die Zusammenhänge zwischen Artenvielfalt und Kulturerbe öffnen. Ich lade Sie herzlich ein, bei einem Spaziergang im hoffentlich baldigen Bergfrühling diesen Zusammenhängen nachzuspüren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Seminar der Finanzdirektion Zürich im Kanton Uri vom 1./2. Juni 2018

Grusswort des Urner Regierungsrats

 

Ich freue mich sehr, Sie im Namen des Urner Regierungsrats heute hier im Schloss A Pro begrüssen zu dürfen. Das schöne Weiherschlösschen ist Mitte des 16. Jahrhunderts von Jacob «A Pro» – wie der Name sagt – aus Prato in der Leventina erbaut worden. Er war als Militärunternehmer im Dienste des französischen Königs und mit lukrativen Handelsgeschäften über den Gotthard zu Reichtum und Ansehen gelangt. Das umfriedete Weiherschlösschen diente ihm – ganz dem damaligen Zeitgeist entsprechend – der aristokratischen Macht- und Prachtentfaltung.

 

Zwischen Zürich und Uri besteht eine lange, über 1000-jährige Tradition von vielfältigen politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen! Diese engen Bande wurden erstmals im Jahr 853 urkundlich verbrieft, als der karolingischer König Ludwig der Deutsche seiner Tochter Hildegard, der Äbtissin der Fraumünsterabtei, seinen Zürcher Hof mit den dazugehörigen Besitztümern in Uri schenkte.

 

In der Zeit der alten Eidgenossenschaft kamen sich die Zürcher und Urner immer wieder gegenseitig militärisch freundeidgenössisch zuhilfe. Den Zürchern wird ein besonderes Engagement zugunsten Uris bei dessen «ennetbirgischen» Angelegenheiten jenseits des Gotthards in der Leventina zugeschrieben.

 

Auch berichten die Chroinisten von ausschweifenden Festen! So von einer Zürcher Fahrt an die Urner Kirchweih im Jahr 1487. Es folgte ein dreitägiges Festgelage, an dem man den Zürchern die besten Speisen und Wein im Übermass auftrug, wie wilde Gämsen, Steinböcke, Hirsche, Wildschweine, verschiedene fremde weisse und rote Weine. Umgekehrt nahmen die Urner beispielsweise am glänzenden, grossen Zürcher Freischiessen von 1504 teil, an dem sich über 20’000 Schützen und Gäste, darunter auch viele Frauen, aus der ganzen Eidgenossenschaft einfanden.

 

Ab dem 16. Jahrhundert wurde die Gotthardroute für die Zürcher Wirtschaft im Handelsverkehr nach Süden immer wichtiger. Grosse Mengen von Seidenballen und Baumwolle-Collo fanden den Weg über den Gotthard zur Weiterverarbeitung in der Zürcher Textilindustrie.

 

Verschiedene Zürcher haben hier in Uri Hervorragendes geleistet. Allen voran der grosse Zürcher Staatsmann und Eisenbahnpionier Alfred Escher, dem wir die erste Eisenbahntransversale durch den Gotthard zu verdanken haben. Und es war der bekannte Zürcher Bildhauer Richard Kissling, der unserem Nationalhelden im Altdorfer Telldenkmal die prägende Form verliehen hat.

 

Seit kurzem gehört Uri zur Greater Zurich Area. Es zeugt von der Weitsicht des Zürcher Finanzdirektors, wenn er sich mit seinem engsten Mitarbeiterstab hier nach Uri zum Strategieseminar zurückzieht!

 

Wir Urner sind ausserordentlich dankbar, dass uns Zürich als bevölkerungsreichster und wirtschaftlich stärkster Kanton immer sehr wohlgesinnt war und immer noch ist. Als NFA-Empfängerkanton sind wir Urner an einem starken Zürich interessiert. Deshalb zeigen wir durchaus auch Verständnis, wenn der Zürcher Finanzdirektor als mit Abstand grösster NFA-Nettozahler auf Korrekturen beim NFA-Mechanismus pocht. Danken möchte ich Ihnen auch dafür, dass Sie aus Ihrem Lotterie-Fonds immer wieder in Uri gemeinnützige Projekte grosszügig unterstützen.

 

Ich bin froh, hier in Uri in der Regierung tätig zu sein. Uri ist ein spannender Ort! Seitdem der ägyptische Milliardär Samih Sawiris nach Andermatt gekommen ist, herrscht im Urserntal touristische Aufbruchstimmung. Im Urner Talboden will der Regierungsrat die zentrale Lage direkt an der Gotthardroute nutzen. Mit einem neuen Autobahnhalbanschluss Altdorf-Süd und dem neuen Kantonsbahnhof Altdorf stellen wir auf der Kantonsliegenschaft «Werkmatt Uri» ein attraktives Areal mit einer Fläche von über 120’000 m2 für die Ansiedlung neuer Unternehmen zur Verfügung.

 

Uri ist wirtschaftsfreundlich, steuergünstig und ideal gelegen. Bei uns stehen Unternehmungen kurze Wege zu Regierung und Verwaltung offen. Zur modernen und zuverlässigen Infrastruktur kommt die sichere Umgebung. Kinder und Jugendliche können sich im Urner Alltag frei und selbstständig bewegen. In Uri lässt sich gut leben! Zwischen Urnersee und Alpenpässen erwartet Sie eine spannende Landschaft für vielfältige sportliche und kulturelle Aktivitäten. Ich lade Sie ein: Kommen Sie am Wochenende und in Ihrer Freizeit nach Uri, im Sommer zum Wandern, Surfen und Golfen, im Winter zum Skifahren oder auf Skitouren!

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Zur Vorlage zur Änderung des Gesetzes über die Verhältniswahl des Landrats (Proporzgesetz)

Landratssession vom 21. März 2018

 

  1. Zur Vorlage des Regierungsrats

 

In seinem Urteil vom 12. Oktober 2016 hat das Bundesgericht die Beschwerde von acht Urner Stimmberechtigten gutgeheissen und den Wahlmodus in den Gemeinden, die ihre Landräte nach dem Proporzsystem wählen, als verfassungswidrig erklärt.

 

Im Sinne eines Appellentscheids hat das Bundesgericht «die zuständigen Behörden des Kantons Uri» aufgefordert, im Hinblick auf die nächste Gesamterneuerungswahl des Landrats im Jahr 2020 eine verfassungskonforme Wahlordnung zu schaffen.

 

Das Bundesgericht hat den zuständigen Behörden des Kantons Uri in seinem Urteil Leitplanken gesetzt, wie sie den Bundesgerichtsentscheid gesetzgeberisch umsetzen können.

 

In seinem Urteil vom 12. Oktober 2016 erklärte das Bundesgericht ausdrücklich, dass die Urner Landratswahlen in Gemeinden mit bis zu zwei Landratssitzen weiterhin im Majorzverfahren durchgeführt werden können, falls in Gemeinden mit mindestens drei Sitzen nach einem echten Proporzwahlsystem (Doppelter Pukelsheim) gewählt werde.

 

Die Vorlage des Regierungsrats bietet den Vorteil, dass sie weder eine Änderung der Kantonsverfassung noch die Gewährleistung durch die Bundesversammlung erfordert.

 

Bei der regierungsrätlichen Vorlage kann ein Anfechtungsrisiko ausgeschlossen werden. Denn es darf angenommen werden, dass das Bundesgericht im Rahmen eines allfälligen neuen Beschwerdeverfahrens nicht auf seine Erwägungen zurückkommen wird.

 

 

  1. Zum Antrag der landrätlichen Justizkommission

 

Die Justizkommission will das gemischte Urner Wahlsystem mit Majorz- und Proporz-Gemeinden beibehalten. Sie will jedoch die Majorzwahl neu auf die Gemeinden mit drei Landratssitzen (Attinghausen, Flüelen, Seedorf) und mit vier Landratssitzen (Silenen) ausdehnen. Das Vorhaben der Justizkommission erfordert formell eine Änderung des Artikels 88 der Kantonsverfassung.

 

Nach Auffassung des Regierungsrats wäre es nicht wünschenswert, wenn der Kanton Uri bei einer künftigen Anfechtung vom Bundesgericht gezwungen würde, das vom Volk auf Antrag von Regierung und Landrat beschlossene Wahlsystem erneut zu revidieren.

 

Um das Risiko bei einer Anfechtung beurteilen zu können, holte der Regierungsrat bei Prof. Paul Richli, Luzern, ein Rechtsgutachten zu den Anfechtungsrisiken im Fall der Ausdehnung der Majorzwahl auf Gemeinden mit drei und vier Landratssitzen ein. In seinem Rechtsgutachten vom 27. November 2017 aufgrund der bundesgerichtlichen Rechtsprechung zusammenfassend zu folgendem Ergebnis:

 

«Das Bundesgericht führte in seinem Urteil zum Urner Wahlrecht zudem ausdrücklich aus, dass die Landratswahlen in Gemeinden mit bis zu zwei Landratssitzen weiterhin im Majorzverfahren durchgeführt werden können, falls in Gemeinden mit mindestens drei Sitzen nach einem echten Proporzwahlsystem gewählt werde. Die entsprechende Beurteilung des Bundesgerichts ergibt sich aber noch aus weiteren Erwägungen.

 

Zunächst ist das Majorzprinzip laut Bundesgericht dort ausgeschlossen, wo die Kantonsverfassung oder die kantonale Gesetzgebung die Proporzwahl vorsieht. Dies ist in der Urner KV der Fall. Diese sieht in Art. 88 Abs. 1 vor, dass in Gemeinden mit drei oder mehr Landratssitzen nach dem Proporzwahlsystem gewählt wird.

 

Schliesslich ergibt sich aus dem Urteil des Bundesgerichts zum Wahlrechtssystem des Kantons AR, dass die kantonalen Behörden für derzeitige Majorzgemeinden zum Proporzprinzip übergehen müssen, falls die Parteibindung der Kandidatinnen und Kandidaten für den Kantonsrat in den Vordergrund rückt. Die Behörden des Kantons AR haben einen entsprechenden Beobachtungsauftrag erhalten. Ein vergleichbarer Auftrag an die Urner Behörden ist dem Urner Urteil nicht zu entnehmen, was darauf schliessen lässt, dass das Bundesgericht den Majorz in den Gemeinden mit einem oder zwei Landratssitzen für solid begründet hält.

 

Unter diesen Umständen ist das Anfechtungsrisiko im Falle der Ausdehnung des Majorzprinzips auf Gemeinden mit drei bis vier Sitzen im Landrat sehr hoch. Aus einer aussenstehenden informierten Sicht kann dem Kanton Uri nicht empfohlen werden, sich auf die Erweiterung auf Gemeinden mit drei bis vier Landratssitzen einzulassen».

 

Die Justizkommission begründet ihren Antrag zur Ausdehnung der Majorzwahl auf Attinghausen, Flülelen, Seedorf und Silenen im Wesentlichen mit dem Argument, dass in diesen Gemeinden bei der Landratswahl der Parteizugehörigkeit der Kandidaten eine «untergeordnete Bedeutung» zukomme. Dazu gilt es folgendes zu bemerken:

 

In seinem Urteil vom 12. Oktober 2016 hat das Bundesgericht erklärt, dass bei der Beurteilung der Frage nach der Wichtigkeit der Parteizugehörigkeit der Kandidaten für den Wählerentscheid eine untergeordnete Rolle der Parteizugehörigkeit «nicht leichthin angenommen werden» darf.

 

Der Beurteilung der Justizkommission, dass in Attinghausen, Flüelen, Seedorf und Silenen bei der Landratswahl der Parteizugehörigkeit der zu Wählenden eine geringfügige Bedeutung zukommt, steht der Umstand entgegen, dass es in diesen Gemeinden Ortsparteien bzw. Sektionen von Kantonalparteien gibt. So haben in diesen vier Gemeinden die Parteien seit der Einführung der Proporzwahl jeweils Parteilisten erstellt und eingereicht. Auch waren bei der letzten Landratswahl 2016 in diesen Gemeinden die CVP, FDP und SVP mit eigenen Listen vertreten.

 

Soeben ist unter dem Titel «Das Parlamentswahlrecht der Kantone» eine Publikation von Andreas Glaser erschienen. Darin werden (S. 222) Zweifel erhoben, ob in den Urner Majorzgemeinden der Parteizugehörigkeit der Kandidaten tatsächlich «untergeordnete Bedeutung» zukommt. Ich zitiere:

 

«Der Umstand, dass sich im Kanton Uri die landrätliche Sitzordnung nach Fraktionszugehörigkeit richtet und die Vorgehensweise, gemäss welcher Abstimmungen im Landrat regelmässig nach politischen Blöcken durchgeführt werden, tragen nicht dazu bei, die bestehenden Zweifel zu mildern».

 

Anders als die Vorlage des Regierungsrats umfasst der Antrag der Justizkommission eine Änderung der Kantonsverfassung durch die Bundesversammlung. Beim Antrag der Justizkommission besteht somit ein doppeltes Risiko. Neben dem Anfechtungsrisiko besteht zusätzlich das Risiko der Nicht-Gewährleistung durch die Bundesversammlung.

 

Die Gewährleistung der Änderung einer Kantonsverfassung durch die Bundesversammlung hat deklaratorische Wirkung. Das heisst, dass die Vorlage mit der Annahme in der Volksabstimmung in Kraft tritt. Wird die Gewährleistung durch die Bundesversammlung aber verweigert, so tritt rückwirkend Nichtigkeit der vom Volk beschlossenen KV-Änderung ein (Häfelin/Haller/Keller Thurnherr, Schweiz. Bundesstaatsrecht, 9. Aufl., Zürich/Basel/Genf 2016, Rz. 1024, f.).

 

 

  1. Zum Rückweisungsantrag der CVP- und SVP-Fraktionen

 

Bekanntlich hat der Ständerat am letzten Donnerstag als Erstrat die Urner Standesinitiative bzw. die Vorlage für einen Bundesbeschluss über die Wiederherstellung der Souveränität der Kantone bei Wahlfragen debattiert und mit 26 Ja zu 15 Nein zugestimmt. Die Urner Standesinitiative hat damit in Bundesbern eine erste wichtige Etappe geschafft!

 

Im Bundesparlament kommt nun der Nationalrat als Zweitrat zum Zuge! Es ist davon auszugehen, dass sich der Nationalrat in der kommenden Herbst- oder Wintersession 2018 mit der Vorlage befassen wird. Der Ausgang der nationalrätlichen Beratung und erst recht der allfälligen eidg. Volksabstimmung sind heute jedoch sehr ungewiss. Nach Ansicht des Regierungsrats ist es jedenfalls heute illusorisch, zu glauben, dass der Termin für die eidg. Volksabstimmung zeitlich noch vor der Landratswahl 2020 liegen wird und so die Abstimmung von Volk und Ständen rechtzeitig erfolgen kann.

 

Dem Rückweisungsantrag der CVP- und SVP-Fraktionen liegt die Absicht zugrunde, den Appellentscheid des Bundesgerichts bis zur kommenden Landratswahl 2020 ein verfassungskonformes Wahlsystem zu schaffen, keine Folge zu leisten. Vielmehr soll in Uri der gesetzliche «Status quo» weiter aufrechterhalten werden.

 

Der Regierungsrat ist der Auffassung, dass bei der Umsetzung des Appellentscheids des Bundesgerichts von der heute auf Bundesebene geltenden verfassungsrechtlichen Lage auszugehen ist. Er erachtet es auch staatspolitisch nicht als opportun, beim Vollzug des Bundesgerichtsurteils auf eine hypothetische, allfällige von Volk und Ständen künftig zu beschliessende neue Regelung der Bundesverfassung abzustellen.

 

Im Fall, da der Landrat den Rückweisungsantrag der CVP- und SVP-Fraktionen stattgibt und damit den gesetzlichen Status quo somit bewusst aufrechterhält, besteht bei der kommenden Landratswahl 2020 ein erhebliches Anfechtungsrisiko. Ja, der Erfolg einer entsprechenden Beschwerde ist vorprogrammiert! Ob sich das Bundesgericht in einem solchen Fall lediglich damit begnügen wird, den «zuständigen Behörden des Kantons Uri» erneut eine Frist zur Schaffung eines verfassungskonformen Wahlsystems ansetzen oder die Landratswahl ungültig erklären wird und welche staatspolitischen Folgen das konkret hätte, ist heute müssig darüber zu spekulieren.

 

Im Fall, da der Landrat dem Rückweisungsantrag stattgibt, entscheidet er sich staatspolitisch jedoch bewusst für eine risikobehaftete Option!

 

Dr. Heidi Z’graggen, Regierungsrätin

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Eröffnungsfeier «Gütsch-Express», in Andermatt vom 22. Dezember 2017

Festansprache von Regierungsrätin Dr. Heidi Z’graggen, Vorsteherin der Justizdirektion Uri

 

Im Jahr 1937, am Stephanstag, wurde hier in Andermatt Tourismusgeschichte geschrieben! Am Sonnenhang oberhalb des Dorfes wurde zwischen dem Nätschen und dem Gütsch ein Schleppskilift in Betrieb genommen. Damals war das eine wahre touristische Pionierleistung, weil es sich erst um die dritte derartige Anlage in der Schweiz handelte.

Heute – genau 80 Jahre später – schlagen wir in der Urschner Tourismusgeschichte ein neues Kapitel auf! Mit dem «Gütsch-Express» steht ein neues innovatives Transportmittel zur Verfügung, das uns in kurzer Zeit in luftige Höhen bringt.

Oben auf dem Gütsch erwartet uns bei guter Sicht ein grandioser Ausblick auf die frisch verschneite Bergwelt. Und in Richtung Oberalp liegt uns ein neues, sonniges Skigebiet mit gut präparierten, abwechslungsreichen Pisten zu Füssen.

Das neue familienfreundliche Skigebiet zeichnet sich durch den weitherum einzigartigen Umstand aus, dass dieses an sieben Haltestellen mit der Bahnlinie der Matterhorn Gotthardbahn verknüpft ist. Je nach Lust und Laune besteht so die Möglichkeit, einzelne Streckenabschnitte auch im Zug zurückzulegen. Es freut mich deshalb sehr, dass die MGB an ihren Bahnhöfen in Andermatt und Nätschen kräftig in den Ausbau ihrer Bahninfrastruktur investiert.

Hand aufs Herz! Wer von uns hätte das vor zehn Jahren gedacht, was heute Wirklichkeit ist? Es war der ägyptische Unternehmer Samih Sawiris, der hier in Andermatt ein Ferienresort der Superlative baut, der auch den Anstoss zur neuen Skigebietsverbindung Andermatt-Sedrun gab. Denn während die Konkurrenz im In- und Ausland in den letzten Jahren mit neuen Bahnen, Liften und Schneekanonen aufrüstete, fehlte es hier im Urserntal für vergleichbare Grossinvestitionen den Bergbahnen an der eigenen Kraft.

Dank der Bereitschaft von Samih Sawiris, die enormen finanziellen Aufwendungen zu übernehmen, sind wir heute in der glücklichen Lage, den «Gütsch-Express» und der «Lutersee-Flyer» in Betrieb zu nehmen! Samih Sawiris gebührt dafür einmal mehr unser Dank und unsere Anerkennung! Ich danke ihm im Namen des Regierungsrats und des Urner Volks herzlich!

In unserem Land bestehen für touristische Grossprojekte restriktive gesetzliche Rahmenbedingungen. Derartige Vorhaben lassen sich deshalb nur dann erfolgreich realisieren, wenn – wie hier – alle involvierten Akteure am gleichen Strick ziehen!

Dank engster Zusammenarbeit zwischen allen drei staatlichen Ebenen, das heisst Bund, Kanton und Gemeinde, ist es gelungen, die lokale Bevölkerung und die Umweltorganisationen von allem Anfang an eng ins Projekt einzubeziehen und so das Plangenehmigungsverfahren zeitgerecht durchzuführen und abzuschliessen.

Das Bundesamt für Verkehr und die zuständigen Fachstellen des Kantons und der Gemeinde haben vorbildliche Arbeit geleistet! Sie haben das Projekt auf seine Umwelt- und Landschaftsverträglichkeit geprüft und dessen Ausführung zusammen mit der Bauherrschaft auf die verschiedenen öffentlichen Interessen wie den Lawinenschutz und die Betriebssicherheit abgestimmt.

Ein besonderer Dank gebührt der Korporation Ursern, welche für die Skiinfrastrukturanlagen ihr Allmendgebiet zur Verfügung stellt und für die Kunstschneeherstellung das Wasser aus dem Oberalp-see liefert. Weiter danken möchte ich zudem der Schweizer Armee und den privaten Grundeigentümern, welche für das Projekt die erforderlichen Bau- und Durchleitungsrechte eingeräumt haben.

 

Mit grossem Respekt verneige ich mich vor der bewundernswerten Arbeitsleistung, welche Bauarbeiter, Handwerker und Techniker – im Hochgebirge dem Wind und Wetter ausgesetzt – in den letzten Monaten unter Hochdruck erbracht haben.

 

Ihnen allen, die heute hier versammelt sind und in irgendeiner Form einen Beitrag zu diesem grossartigen Werk geleistet haben, danke ich im Namen des Regierungsrats herzlich!

 

Ein Versuch, einzelne Namen besonders hervorzuheben, müsste notgedrungen Stückwerk bleiben! Ich möchte es jedoch nicht unterlassen, dem Gesamtprojektleiter Dr. Peter Furger meinen speziellen Dank auszusprechen. Im Verlaufe des mehrjährigen Bewilligungsverfahrens hat er im Stil eines Slalomfahrers alle Hindernisse und Tore mit Bravour gemeistert. Im Sommer 2014 erteilte ihm das BAV für die Realisierung der Skigebietsverbindung die Plangenehmigung. Mit der rechtskräftigen Bewilligung im Sack gab er sich jedoch nicht zufrieden. Er unternahm alles, um das Projekt weiter zu optimieren. Um die Talstation beim Andermatter MGB-Bahnhof an den heutigen Standort zu verlegen, verstand er es vortrefflich, sowohl die zuständigen Bewilligungsstellen als auch die Umweltverbände von seinem «Terminal-Gate-Konzept» zu überzeugen.

 

Als Regierungsrätin freut es mich besonders, dass bei diesem Projekt auch lokale Gewerbebetriebe ihre grosse Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen konnten. So wurde bei dieser Talstation die architektonisch gelungene Holzkonstruktion von einer Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus einer Urner und einer Tujetscher Holzbaufirma, erstellt.

 

Nach dem weitgehenden Rückzug der Schweizer Armee und dem damit verbundenen schmerzlichen Verlust hunderter von Arbeitsplätzen setzen wir hier in der Gotthardregion in Zukunft auf die Karte Tourismus. In der Tourismusbranche lautet die Devise: Je grösser die Destination, je attraktiver ihr Angebot, desto besser ihre Chancen im Wettbewerb! Eine gute Zusammenarbeit aller Tourismusträger – Bahnen, Gastronomie und Tourismusvereine – ist heute im heftig geführten Konkurrenzkampf unerlässlich.

 

Spannen wir also zusammen und bieten unseren Gästen ein attraktives Gesamterlebnis! Wenn wir alle am gleichen Strick ziehen und die bei diesem Projekt zwischen den beiden Talschaften Ursern und Tujetsch erfolgreich gepflegte Kooperation weiter fortsetzen und vertiefen, werden sich die enormen finanziellen Aufwendungen in die touristische Infrastruktur für die gesamte Gotthardregion lohnen.

 

Einleitend haben wir uns an die grosse Zeit erinnert, wo Andermatt mit dem erst dritten Schlepplift in der Schweiz für Furore sorgte. Am heutigen Tag – genau nach 80 Jahren – knüpfen wir an den damaligen Pioniergeist an und machen mit dem «Gütsch-Express» und dem «Lutersee-Flyer» ein erneutes Mal einen grossen Schritt vorwärts, nämlich Richtung Skigebietsverbindung, mit der die SkiArena Andermatt-Sedrun in die Topliga der besten Skigebiete der Schweiz aufsteigt!

 

Der «Gütsch-Expres» mit seinem eleganten Design gefällt. Er präsentiert sich uns heute als ein Meisterwerk der Seilbahntechnik!

 

Ich freue mich, mit unserem Abfahrtsweltmeister und Olympiasieger Bernhard Russi zusammen mit Ihnen auf die Jungfernfahrt, hoch hinauf auf den Gütsch, 2300 Meter über Meer!

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